App oder RiP

Auf Seite 5 berichten wir, wie mit The Times aus der Inkarnation einer großformatigen Zeitung (‘Broadsheet’) ein Produkt geworden ist, das vor allem in Form einer App auf dem kleinen Smartphonebildschirm genutzt wird. So einzigartig diese Geschichte ist, so ganz und gar nicht ungewöhnlich ist die Erkenntnis, dass Apps für Pressemedien derzeit das wichtigste Feld für die Produktentwicklung sind. Eine andere große englische Zeitung, von der jüngst zu erfahren war, dass die App längst der wichtigste Publikationskanal ist, ist die Financial Times.

Das liegt natürlich vor allem daran, dass das Smartphone als Zugangsweg zu Medienangeboten längst alle anderen Geräte und Zugangswege abgehängt hat. Es liegt aber auch daran, dass besonders Zeitungsmedien immer wieder berichten, dass ihre Appnutzer in jeder Hinsicht eine wertvollere Nutzergruppe bilden als diejenigen, die digitale Inhalte im Browser konsumieren und dabei zwar viel zahlreicher aber meistens auch viel unsteter und mehrheitlich flüchtiger sind.

Im gegenwärtigen technischen Umfeld ermöglichen Apps Produktgestaltungen, die allen alternativen digitalen Produkten überlegen sind. Die Navigation innerhalb einer App kann übersichtlicher und schneller gestaltet werden als auf einer (mobilen) Website. Das Produkt kann einfacher an die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden (vom ‘Dark Mode’ über automatische Downloads bis hin zu inhaltlicher Personalisierung). Über Push-Benachrichtigungen können Nutzer aktiv angesprochen werden.

Last not least: ein Abo ist immer nur einen Klick entfernt. Mit In-App-Abos verbindet Publiher zwar eine Hassliebe, weil sie ebenso schnell gekündigt wie bestellt werden können, weil die In-App-Abonnenten Kunden des Appstores, nicht des Verlages sind und weil die Appstores einen Teil der Aboerlöse für sich reklamieren. Aber dafür berichten die meisten Publisher, die diesen Kanal (womöglich aktiv) bespielen, davon, dass sie darüber einen großen Teil (wenn nicht die ganz große Mehrheit – vergleiche unseren Bericht zu Kicker+ in der Juli-Ausgabe) ihrer Abonnenten gewinnen.

Auch nicht-traditionelle Publisher sehen die Vorteile von Apps. In Österreich beendete Mitte Juni das journalistische Startup ‘Jetzt’ ein zähes Crowdfunding erfolgreich. Das eingesammelte Geld soll nicht zuletzt in die Entwicklung einer eigenen App auf Basis der Technologie des dänischen Erfolgs-Startups Zetland fließen. Das wiederum berichtet seit langem, dass die App (und besonders deren Audio-Features) ein, wenn nicht gar der wichtigste Erfolgstreiber sind.

Solange Smartphones das wichtigste Fenster in die digitale Welt sind, so lange dürfte gelten: ohne App geht es nicht. App oder RiP.

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