Die Zeit: sogar der Chefredakteur macht Abo-Werbung
Dass Journalisten und Redakteure eine aktive Rolle im Lesermarktgeschäft einnehmen, war jahrelang weitgehend verpönt. Die berühmte gläserne Wand, die sicherstellen soll, dass wirtschaftliche Interessen des Verlages und seiner Anzeigenkunden nicht die Unabhängigkeit der journalistischen Berichterstattung gefährden, war jahrzehntelang auch eine Schutzmauer, die Redaktionen davor bewahrte, in eigener Sache und für das eigene Produkt werben zu müssen. Das änderte sich erst mit der Einführung von Paywalls und deren datenanalytischer Begleitung. Je mehr Abonnements an der Paywall entstanden, je mehr sich die Erkenntnis verbreitete, dass der Umwandungserfolg an der Paywall davon abhängt, den richtigen Nutzern zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Inhalte anzubieten, je mehr Abos dadurch gewonnen wurden, dass die Redaktion gezielt Beiträge veröffentlichte, die großen Umwandlungs- und oder Kundenbindungserfolg versprechen, desto mehr begannen Redaktion und Verlagsbereiche wie Lesermarkt, Marketing oder Data zusammenzuarbeiten. Was aber bis heute immer noch selten ist und von vielen Journalisten und Chefredakteuren abgelehnt wird, das ist die namentliche, persönliche Einbindung in die werbliche Kommunikation. Obwohl Chefredakteure und prominente Journalisten die Aushängeschilder jedes Pressemediums sind, treten sie kaum einmal als Werbebotschafter in eigener Sache in Erscheinung. Sehr überrascht
