Nofretete mit den drei Kindern

Seit gut 100 Jahren streiten Ägypten und Deutschland um die Nofretete-Büste. Im Vergleich mit vielen Restitutionsdebatten ist die Sachlage in diesem Fall besonders kompliziert. Denn die legendäre Büste wurde nicht nur von einem Grabungsteam unter deutscher Leitung entdeckt. Sondern sie wurde auch mit dem Einverständnis der damaligen ägyptischen Behörden nach Deutschland verbracht.

Nun liegt ein salomonischer Streitschlichtungsvorschlag auf dem Tisch. Mit modernen 3D-Scan- und Druckmethoden ließe sich eine 1:1-Kopie der Büste herstellen, die auch aus allernächster Nähe betrachtet von keinem Experten vom Original unterschieden werden könnte. Anschließend, so der Vorschlag, solle ausgelost werden, welches der beiden Stücke in Deutschland und welches in Ägypten ausgestellt wird. Der Clou: Wo das Original steht und wo die Kopie bliebe dabei geheim. Die Museumsbesucher wüssten also nicht, ob sie das Original oder dessen Kopie vor Augen haben.

Wie würden Museumsbesucher darauf reagieren? Ziehen zwei Exponate, die mit einer Wahrscheinlichkeit von jeweils 50% das Original sind, doppelt so viele Besucher an wie das Original zuvor allein? Oder verliert das Ausstellungsstück seine Attraktion in beiden Fällen, weil die Vorstellung, vor einer Kopie zu stehen, das Erlebnis allzu sehr beeinträchtigt?

Von der Hoch- zur Populärkultur.

Total süß! Da steht dieser kleine Bengel von vielleicht vier oder fünf Jahren am Bett seiner Mutter, die glücklich die frischgeborenen Drillinge in ihren Armen hält, und hält dem Vater, der nicht im Bild ist, eine Strafpredigt. “Du hast von einem Kind gesprochen. Nicht von drei. Eins ist völlig ausreichend. Drei sind zu viel. Das hast DU gemacht”.

Aber ist das per ‘Insta’ verbreitete Video echt, fragt sich der Betrachter. Oder hat das eine Künstliche Intelligenz gemacht? Denn wenn es von einer Künstlichen Intelligenz produziert wurde, dann wäre es gar es gar nicht süß und nur halbwegs lustig. Liken oder Teilen? Unwahrscheinlich!

Der Kulturphilosoph Walter Benjamin hat schon vor 90 Jahren ein Büchlein mit dem Titel “Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” veröffentlicht. Darin schreibt er Originalen eine “Aura” zu, die allen Kopien abgeht.

Nun leben wir im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit von anscheinender Wirklichkeit. Das ist im Nachrichtenbereich ein Riesenproblem. Aber für alle Geschäftsmodelle rund um ‘virale’ Videos ist es das absehbare Ende. Und das ist eine gute Nachricht für alle, die davon leben, Geschäftsmodelle für wirkliche Wirklichkeit zu betreiben.

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